Vero ist eine Social Media Plattform, die mit dem Facebook-Skandal vor 2 Monaten in kürzester Zeit eine große Menge Registrierungen verzeichnen konnte. Sie wird oft als Alternative zu Instagram bezeichnet, kann aber noch viel mehr als nur Bilder teilen, auch Musik, Filme, Bücher, Orte und Links gehören zum „Teilen“-Repertoire. Das Unternehmen trägt den Slogan „True Social“ und spielt damit darauf an, dass es hier wirklich darum geht, Nutzer zu verbinden, statt ihnen lästige Werbung anzudrehen.

 

Die Vorteile

Vero wirbt damit, werbefrei zu sein. Datenspeicherung ist nicht im großen Stil notwendig, da Daten nicht für Werbeanzeigen analysiert werden müssen. Die Privatsphäre kann für jeden Beitrag selbst in enge Freunde, Freunde, Bekannte und Follower eingeteilt werden. Die Algorithmen sind stark vereinfacht: Was zuletzt geschah, steht ganz oben. Damit traf Vero den Zahn der Zeit, denn Beiträge auf Facebook oder Instagram werden auf den Nutzer zugeschnitten und nach Relevanz sortiert. Interagiert man stark mit einem bestimmten Profil, so erscheinen dessen Neuigkeiten vor anderen. Folglich verliert man an Kontakt zu Profilen, die weniger aktiv sind. Vero löst das Problem mit einer simplen chronologischen Darstellungsweise.

 

Finanzierung ohne Werbung?

Dies soll vor allem durch In-App-Käufe realisiert werden. Unternehmen können ihre Produkte in der App anbieten und direkt verkaufen. An jedem Kauf möchte Vero mitverdienen. Unternehmen ist es auf diesem Wege nicht möglich, Werbeanzeigen zu schalten, welche auf Neukundenfang gehen. Ein Unternehmen muss also wirklich sinnvollen Content liefern, um gesehen zu werden und dann an direkten Produktkäufen zu verdienen.

 

Unklarheiten und Startprobleme

Für Verwirrung sorgte allerdings die Ankündigung, Vero sei nur für die ersten 1 Million Nutzer kostenlos. Denn nach schnellem Erreichen dieser Zahl, blieb die App bis heute ohne Gebühren. Ob man zukünftig Geld für den Download der App verlangt oder ein Abo-Modell wählt ist noch unklar. Ebenso schwierig wird es einzuschätzen, wer überhaupt gewillt ist, für den Dienst zu zahlen. Ein soziales Netzwerk ist nur dann sinnvoll, wenn auch alle unsere Freunde darin auffindbar sind, doch werden die Kosten, seien sie noch so klein, eine große Menge Personen von der Nutzung abhalten. Noch dazu kam es durch den Hype zur starken Verlangsamung und Abstürzen der App. Die Frustration bei potentiellen Nutzern hervorrief.

 

Schattenseiten

Auch die Biografie des Vero-Gründers Ayman Hariri lässt den Glauben an eine neue, faire und sozialere App schwinden. Er war stellvertretender Geschäftsführer bei „Saudi Oger“, einer Saudi-arabischen Baufirma, die ihren ausländischen Mitarbeitern über Monate hinweg den Lohn versagte und sie unzureichend mit Wasser und Nahrung versorgte.

 

Fazit

Die Vorteile, die Vero bietet, scheinen für die Masse nicht ausreichend zu sein, um sich von altbekannten Plattformen zu trennen. Was der App fehlt, ist ein so starker Mehrwert, dass er in einem das Gefühl erweckt, man verpasse etwas. Wer kennt nicht jemanden, der nur bei Facebook oder WhatsApp angemeldet ist, weil er der Mehrheit nachgeben musste, um eben nichts zu versäumen. Wie schon viele andere Apps zuvor (Ello, Diaspora, Peach) scheint Vero aus unserer Sicht trotz guter Ansätze noch zu scheitern.

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Das TEAM von LUK-DESIGN: Grafik & Design
Redaktion: Edgar Kutschera

Edgar Kutschera

MSc. Env. Science Online-Marketing-Manager